Hellwegschule

Konzept für die neue Schuleingangsphase

 

Die zum 1.8.2005 beginnende Schuleingangsphase soll in unserer Schule auf der Grundlage des folgenden Konzeptes gestaltet werden:

 

1. Lernstandsdiagnostik als Basis der unterrichtlichen Arbeit

1.1. Wie wird die Zusammenarbeit zwischen Schule, Kindergarten und Eltern realisiert?

Zwischen der Hellwegschule und den beiden im Schuleinzugsgebiet liegenden Kindertageseinrichtungen findet ein regelmäßiger Austausch an wichtigen Informationen statt. Pädagogische Aufgaben, die beide Einrichtungen betreffen, werden gemeinsam erarbeitet.  

Pädagogische Konferenzen

Die Schule und die drei Kindertageseinrichtungen (Sportkindergarten Hammer SC, der evangelische Regenbogenkindergarten und der katholische Kindergarten St. Elisabeth) treffen sich bei Bedarf zu gemeinsamen pädagogischen Konferenzen.

So wurde beispielsweise über das im evangelischen Kindergarten durchgeführte Bielefelder-Screenig-Verfahren, das Kinder mit Leserechtschreibschwierigkeiten frühzeitig erkennen hilft und Fördermöglichkeiten eröffnet, gesprochen.

 

Gemeinsame Konferenzen

Auch wurde in einer Konferenz von den Leiterinnen der Kindertageseinrichtungen und der Konrektorin und einer Kollegin der Hellwegschule das Konzept der Schulanfänger-Diagnostik entwickelt. Grundlage des Konzeptes waren die für den Schulanfang nötigen Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen, die in der Schrift „Erfolgreich starten!“ aufgeführt sind.   Darüber hinaus erarbeiteten Schulleitung, stellvertretende Schulleitung und die beiden Leitungen der Kindertageseinrichtungen in einer gemeinsamen Konferenz die Gestaltung des Informationsabends für die Eltern der Vierjährigen.

Gemeinsamen Themenabende

Es finden bei Bedarf gemeinsame Themenabende mit fachkundigen Referenten für Eltern, Erzieherinnen, Lehrerinnen und Lehrer statt, wie beispielweise zum Thema Leserechtschreibschwierigkeit und zum Thema ADHS.

 

Hospitationen

In dem Schuljahr, das dem Schuljahr der Schulpflicht vorausgeht, besuchen die Erzieherinnen mit den zukünftigen Schulanfängern die ersten und zweiten Schuljahre und nehmen an zwei Unterrichtsstunden und einer großen Pause teil. So erhalten die Kindergartenkinder einen ersten Eindruck von ihrer zukünftigen Situation als Schulkind. Die Lehrerinnen, Lehrer und Erzieherinnen können zudem das Verhalten der zukünftigen Schulanfänger in einem Klassenverband beobachten.

Auch besuchen die Lehrer und Lehrerinnen des zukünftigen ersten Jahrganges die Kindergärten, um die Kinder in der Gruppe zu erleben und mit den Erzieherinnen zu sprechen. 

 

1.2  Wie wird das Anmeldeverfahren (Bezugspunkt Schulfähigkeitsprofil) durchgeführt?

Die Anmeldung gliedert sich an der Hellwegschule in zwei Teile, nämlich in die Anmeldung mit erster Sprachsstandsfeststellung und in das Erstellen des Schulfähigkeitsprofiles.

 

Formale Anmeldung mit Sprachstandsfeststellung

An einem ersten Termin Anfang November findet die formale Anmeldung statt, bei der die Eltern die nötigen Personalien angeben und ihr Kind dem Schulleiter oder der Konrektorin vorstellen.

Dabei unterhält sich die Schulleitung mit dem Kind und stellt so fest, ob das Kind hinreichend die deutsche Sprache beherrscht. Auch können hier schon sprachliche Auffälligkeiten, wie Lispeln o.ä. festgestellt werden.

Die Schulleitung spricht zudem mit den Eltern über eventuelle Auffälligkeiten in der Sprache oder Entwicklung des Kindes. Gegebenenfalls empfiehlt sie Fördermöglichkeiten.

Wenn sich bei diesem Gespräch herausstellt, dass das Kind nicht genügend Deutsch spricht oder versteht, um dem Unterricht folgen zu können, findet an einem weiteren Termin die genauere Feststellung des Sprachstandes statt. Hierzu wird das Verfahren „Fit in Deutsch“ vom Niedersächsischen Kultusministerium durchgeführt.

 

Durchführung der Schulanfänger-Diagnostik und Elterninformation

An einem zweiten Termin findet nachmittags die Durchführung einer detaillierten Schulanfängerdiagnostik statt. Ca. zwölf Kinder werden jeweils zu einer Gruppe zusammengefasst und treffen sich in einem Klassenraum. Mindestens drei Erzieherinnen und drei Lehrerinnen sind anwesend. In der gesamten Schule sind Stationen aufgebaut. Jeder Erwachsene beobachtet zwei Kinder. Dazu hat er einen Beobachtungsbogen für jedes Kind. Die zu erfüllenden Kriterien sind darauf aufgeführt. Darüber hinaus ist auf dem Bogen Platz für Bemerkungen.

Zeitgleich mit der Erstellung des Schulfähigkeitsprofiles nehmen die Eltern an einer Informationsveranstaltung teil. Der Schulleiter unterrichtet die Eltern über wichtige organisatorische Elemente der Hellwegschule, wie die Bis-Mittag-Betreuung und die Einrichtung einer Ganztagsgruppe. Inhaltlich werden die Eltern über die zeitgleich laufende Schulanfänger-Diagnostik informiert. Auch wird über die Form der Förderung der Kinder in der Schuleingangsphase gesprochen.

Die Diagnosebögen des Schulfähigkeitsprofiles werden von den zukünftigen Klassenlehrerinnen und der Konrektorin ausgewertet. Ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass Kinder noch in bestimmten Bereichen vor Schulbeginn gefördert werden müssen, werden die Erziehungsberechtigten informiert. Weitere Maßnahmen werden dann gemeinsam überlegt.

 

1.3 Wie wird die Ermittlung der Lernausgangslage in den Entwicklungs- und Lernbereichen in den ersten Schulwochen (bis zu den Herbstferien) und die Umsetzung erster unterrichtlicher Konsequenzen sichergestellt?

Zur Ermittlung der Lernausgangslage werden folgende Beobachtungsinstrumente eingesetzt:

a)     Mathematik

-          In den ersten Schulwochen wird mit allen Kindern ein Eignungstest „Arithmetische Kenntnisse von Schulanfängern“ (aus Zahlenwerkstatt zu „Welt der Zahl“, Schroedel) durchgeführt.

-          In der Zeit bis zu den Herbstferien werden verschiedene Tests zur visuellen Wahrnehmung (z.B. Auge-Hand-Koordination, Figur-Grund-Wahrnehmung, Wahrnehmung der Raumlage und räumlichen Beziehung) und zur Pränumerik (z.B. Mengen vergleichen, erfassen, zuordnen, ordnen, Reihen fortsetzen) durchgeführt.

b)     Deutsch

-          Zur visuellen Wahrnehmung (s.o.)

-          Zur akustischen Wahrnehmung werden Aufgaben zum Anlaute hören und vergleichen sowie Bilder nach Anlauten sortieren eingesetzt.

c)     Motorik

-          Um Aussagen zur Feinmotorik machen zu können, erhalten die Kinder folgende Aufgaben: kneten, schneiden, reißen, falten, kleben, malen, ausmalen.

-          Beobachtungsergebnisse zur Grobmotorik erhält man durch verschiedene Übungen im Sportunterricht (z.B. Bälle fangen, balancieren, klettern, springen).

Sämtliche Beobachtungsergebnisse werden vom Lehrer in Beobachtungsbögen erfasst und durch Kurzprotokolle/Aufzeichnungen ergänzt.

Aufgrund der Feststellung der individuellen Lernausgangslage jedes einzelnen Kindes werden Förderpläne erstellt, die auf drei Leistungsniveaus zugeschnitten sind.

1.      Für leistungsschwache Kinder

2.      Für „normal“ lernende Kinder

3.      Für besonders leistungsstarke Kinder

Darüber hinaus wird durch individuelle Förderung auf einzelne „Problemfälle“ reagiert, indem

-          Im Klassenunterricht differenzierte Aufgaben gestellt werden,

-          Im Förderunterricht Kinder in Lerngruppen zusammengefasst werden,

-          Eltern für die Mitarbeit gezielte Förderempfehlungen erhalten.

 

1.4 Wie wird die kontinuierliche Fortschreibung der Förder- und Entwicklungspläne und die konsequente unterrichtliche Umsetzung differenzierender und individualisierender Maßnahmen während der gesamten Schuleingangsphase gewährleistet?

Individuelle Förderung in der Jahrgangsklasse

Differenzierung findet auf folgenden Ebenen statt:

Lernzeit

Einige Schüler erhalten eine zusätzliche Förderstunde.

Aufgabenumfang

Die Differenzierung ergibt sich häufig durch individuelles Arbeitstempo. Schnelle Schüler erledigen freiwillige Freiarbeitsaufgaben. Lernschwache Schüler müssen nur die Kernaufgaben bearbeiten.

Aufgabenniveau 

Schüler mit besonderen Stärken oder Schwächen werden klassenübergreifend gefördert.

Schüler, die schon lesen können, bekommen zusätzliche Leseaufgaben.

Schüler mit Defiziten im Abhorchen und Lautieren werden im Förderunterricht zusammengefasst.

Schüler mit feinmotorischen Schwächen erhalten zusätzliche Übungen.

 

Differenzierte Unterrichtsgestaltung beim Lesen- und Schreibenlernen (z.B. mit Tinto)

Die Tinto-Materialien legen keine Reihenfolge fest, in der gelernt werden soll. Sie setzen nicht an einem fiktiven Nullpunkt an, von dem aus alle Kinder auf den Weg geschickt werden. Mit Tinto ist vielmehr ein offener Anfangsunterricht möglich, der den individuellen Bedürfnissen eines jeden Kindes gerecht wird.

Zwei Grundgedanken bestimmen die Konzeption der Materialien:

Erstens, Kinder können sich den Weg in die Schriftsprache weitgehend selbstständig erarbeiten.

Zweitens, Kinder erlernen das Lesen durch Schreiben. Sie schreiben Texte, die für sie wichtig sind, die ihnen Freude bereiten, mit denen sie etwas mitteilen wollen. In den selbst

geschriebenen Texten können sie dabei weit mehr Kreativität entwickeln als dies bei einem linear aufgebauten Lehrgang der Fall ist. Bei der Erarbeitung der im Unterrichtswerk angebotenen Themen kann sich jedes Kind seinem Entwicklungsstand gemäß und mit seinen besonderen Fähigkeiten einbringen.

Die notwendige Differenzierung ist nicht allein von der Lehrerin zu leisten, sondern

sie ist im Material enthalten. Die Lehrerin regt die Lernprozesse der Kinder an nach dem Montessori-Grundgedanken „Hilf mir, es selbst zu tun“. Das lässt sich in freien Arbeitsphasen, bei Tages- und Wochenplanarbeit, beim Lernen an Stationen verwirklichen.

(Auszüge aus dem Lehrerhandbuch zu Tinto)

 

Differenziertes Arbeiten im Fach Mathematik

Differenzierung erfolgt durch unterschiedliche Dauer des Einsatzes von Anschauungsmaterial und durch Stationsarbeit mit Vorgabe von Mindestanforderungen und Zusatzangeboten.

 

Formen der Überprüfung der Lernfortschritte

Leistungserziehung ist uns ein großes Anliegen. Unsere Unterrichtsmethoden sind darauf angelegt, dass Kinder lernen sich anzustrengen, um etwas zu leisten. Die Lernentwicklung überprüfen die Lehrerinnen und Lehrer der Hellwegschule durch ständiges Beobachten der Kinder und regelmäßig durchgeführte Lernzielkontrollen.

Das Lehrerkollegium erstellte für jede Klasse einen Beobachtungsbogen, in den wir in regelmäßigen Abständen den Lernentwicklungsstand der Kinder eintragen.

Zudem können noch weitere Möglichkeiten zur Lernstandsermittlung genutzt werden:

Zu Beginn der Schuleingangsphase eignet sich im sprachlichen Bereich für die Lernausgangsdiagnostik die Lernstandsermittlung zur Lautbewusstheit vom Lehrwerk Pepino (Cornelsen Förder-Ordner).

Aufschlussreich ist das Suchen von Reimwörtern, Reimversen, das Klatschen von Silben und das Suchen von Anlauten.

Später kann die Lernstandsermittlung zur Verschriftungsfähigkeit in Form einer Schreibprobe durchgeführt werden. Dazu zählen auch auditive Analysen und Leseananlysen. Hier bieten sich Vorlagen aus dem Lehrwerk Tinto an, mit dem die Klassenlehrerinnen des ersten Jahrgangs arbeiten.

Im mathematischen Bereich findet man zur Lernausgangsdiagnostik sowie zu weiteren Lernstandsermittlungen sehr geeignetes Material in den Lehrerbänden des Lehrwerkens Zahlen Zauber I und II.

Auch im Cornelsen Förder-Ordner und im Lehrwerk Welt der Zahl findet man Lernzielkontrollen.

 

2. Anforderungen an die Unterrichtsorganisation und Unterrichtsgestaltung

2.1 Durch welche Maßnahmen der Unterrichtsorganisation und Unterrichtsgestaltung werden die diagnostische Arbeit sowie die Durchführung von zeitlich und inhaltlich begrenzten Fördermaßnahmen unterstützt?

Unterrichtsorganisation

Für den jahrgangsübergreifenden Förderunterricht stehen derzeit 7 Unterrichtsstunden wöchentlich zur Verfügung, für die eine Lehrerin eingesetzt wird. Dadurch soll eine Kontinuität der Fördermaßnamen erreicht werden.

Organisatorische Voraussetzung für den jahrgangs- und klassenübergreifenden Unterricht ist die dementsprechende Konzeption des Stundenplans: Die vier Klassen des 1. / 2. Schuljahres haben in den entsprechenden Stunden Klassenunterricht, aus dem einzelne Kinder oder kleine Gruppen herausgezogen werden können.

Die Organisationsformen des Förderunterrichts sind unterschiedlich und flexibel zu handhaben. Eine Möglichkeit ist, dass die Kinder in einem extra Raum außerhalb des Klassenunterrichts in neuen Lerngruppen zusammengefasst gefördert werden. Es ist außerdem möglich, dass die zusätzliche Lehrkraft zum Unterricht unterstützend hinzukommt. Bei beiden dieser Organisationsformen ist ein klassen- oder jahrgangsübergreifendes Arbeiten möglich.

Es werden keine festen neuen Lerngruppen eingeteilt, sondern die Fördermaßnahmen werden flexibel auf den jeweiligen Förderbedarf und die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet. 

Durch die Reduzierung der Lerngruppengröße und die Flexibilität können die Fördermaßnahmen zielgerichtet durchgeführt werden und ermöglichen dadurch ein differenziertes Arbeiten und auch die Beobachtung einzelner Kinder.

Gefördert werden sowohl Kinder mit Verzögerungen in Entwicklungsbereichen, speziellen Lernschwierigkeiten oder Defiziten als auch Kinder mit besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Die konkreten Inhalte des Förderunterrichts beziehen sich sowohl auf fachliche wie auch auf methodische Inhalte.

 

2.2 Welche verbindlichen Vereinbarungen zu grundlegenden Elementen selbstgesteuerten Lernens im Rahmen der Schuleingangsphase werden im Kollegium getroffen?

Das Kollegium hat vereinbart, dass im Fach Deutsch in der Schuleingangsphase mit der Anlauttabelle gearbeitet wird. Dadurch können die Kinder selbstgesteuert auf unterschiedlichem Niveau lernen.

Jeder Klasse verfügt über einen Bestand an Büchern (Lektüren, Sachbücher, Wörterbücher, Lesebücher), die die Schüler auf der Basis ihrer eigenen Fähigkeiten und Interessen eigenständig nutzen.

Im Fach Mathematik arbeiten alle Kollegen mit dem Unterrichtslehrwerk „Welt der Zahl“ und den dazugehörenden Materialien zur Förderung und Differenzierung. So kann in beiden Jahrgängen auf unterschiedlichen Ebenen gearbeitet und gefördert werden.

Stationsbetriebe, Tagespläne, Wochenpläne, Werkstätten und Freiarbeit werden in den Unterricht einbezogen, da sie ein selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten ermöglichen.

 

3. Die flexible Verweildauer

Wie soll die Flexibilisierung der Verweildauer unter Berücksichtigung der verbindlichen Anforderung nach Klasse 2 zieladäquat und schulorganisatorisch umgesetzt werden?

Sehr leistungsstarken Schülern wird ermöglicht, an einem oder mehreren Fächern des nächsthöheren Jahrgangs zunächst phasenweise teilzunehmen. Damit wird ein kontinuierlicher Besuch der nächsthöheren Klasse vorbereitet. Letztendlich kann eine entsprechende Versetzung erfolgen, die die Verweildauer verkürzt.

Lernschwachen Schülern wird die Möglichkeit eingeräumt, durch einen Rücktritt eine längere Verweildauer in der Schuleingangsphase wahrzunehmen.

Auf der Basis von Konferenzen und Besprechungen mit den Eltern erfolgen die oben genannten Entscheidungen zur Verweildauer.

Grundlagen dafür sind Lernstandsanalysen und Beobachtungen von Kollegen.

Kriterien für die Teilnahme an der Folgeklasse sind eine starke Unterforderung und die Fähigkeit, den schwierigeren Lernstoff zu bewältigen. Bedeutsam ist auch, dass das Kind in der Entwicklung seines Sozialverhaltens der Situation gewachsen ist.

Kriterien für die Wiederholung innerhalb der Schuleingangsphase sind eine starke Überforderung und erhebliche Mängel in den Grundlagen (siehe Anforderungen in den Lehrplänen), die schnell behoben werden müssen und nicht in der bisherigen Lerngruppe aufgearbeitet werden können.

Entsprechende Maßnahmen können während des gesamten Schuljahres eingeleitet werden. Das bedeute auch, dass mit den Eltern ein intensiver Kontakt besteht und mit ihnen bei Bedarf sofort die entsprechenden Gespräche geführt werden.

  

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